Glaubensimpulse
Die Rolle des Pastors
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- Geschrieben von Timo Ströhlein
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Einführung.
Die Rolle und Aufgabe des Pastors hat seit der ersten Christenheit einen Prozess durchlaufen. Die frühe Kirche wusste sehr gut, wie sie sich selbst organisieren sollte, um ihre wesentlichen Aufgaben zu erfüllen: für die geistliche Reifung der Gläubigen zu sorgen, und außerdem die Mentalität und die geistliche Situation der ganzen Gesellschaft zu verändern, also Nationen zu Jüngern zu machen.
Im Neuen Testament finden sich die besten Beispiele für die Entwicklung der Rolle des
Pastors, die von den Bedürfnissen der Gemeinde und ihrer Umgebung abhängt. Diese Rolle und die Gegebenheiten der Gemeinde ändern sich ständig. Während meines eigenen Dienstes habe ich Pastoren getroffen, die ihre hauptsächliche Aufgabe darin gesehen haben, die Gläubigen vor „dieser bösen sündigen Welt“ zu bewahren. Sie verwendeten ihre ganze Energie darauf, eine Art unsichtibare Festung zu errichten, in die dann höchstens ein paar wenige von außerhalb „hineingezogen“ werden können, um sie dann zu genau den gleichen Leuten zu machen, wie es die übrigen bereits sind. Sie schaffen um sich her eine Atmosphäre des „Kampfes mit dem Bösen“ und der Konfrontation. Dieser Stil von Gemeindeleitung ist der direkteste Weg zum ... Sektierertum. Andere haben sich für das zahlenmäßige Wachstum der Gemeinde eingesetzt, wobei sie Managerkriterien übernommen haben: besser bedeutet mehr und schneller. Ihre Gemeinden werden von dem Wunsch nach Wachstum angetrieben.
Oft ist der Preis für diesen Ansatz geistliche Oberflächlichkeit unter den Gläubigen und
ein rein pragmatisches Christentum. Gewiss ist die lehrmäßige Reinheit der Gemeinde ein biblischer Wert (vgl. z.B. 2. Tim 2,15), und wir dürfen uns davon nicht wegbewegen. Klare Lehre - auch wenn sie kein Ziel in sich selbst darstellt - trägt zum zahlenmßigen Wachstum einer Gemeinde bei. Qualität führt gewöhnlich zu Quantität. Doch lehren uns die Bibel und die
Geschichte der Gemeinde, dass weder lehrmäßige Reinheit, noch das zahlenmäßige Wachstum der Gemeinde letzte Ziele sein können. Deshalb können sie auch nicht die Hauptanliegen des Pastors sein. Stattdessen sollte er sich mit der Frage beschäftigen, wie die Gemeinde zur Veränderung ihrer Umgebung beitragen kann, in der die Gläubigen leben. Mit anderen Worten: Was hat die Stadt von der Existenz der Gemeinde? Welchen Einfluss hat sie auf die Denkweise und die Moralität in den umliegenden Gebieten?
Praktisch gesehen wird es dran sein, dass der Pastor jeden Mann und jede Frau in der
Gemeinde zurüsten sollte, so dass ihr Heim mit ihrer Atmosphäre die Nachbarschaft positiv beeinflusst. Er sollte die erwachsenen Gemeindeglieder so zurüsten, dass durch die Qualität ihrer Arbeit und ihrer Einstellung am Arbeitsplatz, Firmen auf biblische christliche Haltungen hin verändert werden.
Es ist eine aktuelle Herausforderung für Pastoren und Gemeindeglieder, die Fähigkeit zu
entwickeln, die großen Bedürfnisse unserer Umgebung zu erkennen. Die Menschen heute
kämpfen mit Einsamkeit, Unmoral, Unsicherheit.
Sind sich die Leiter unserer Gemeinden dessen bewusst und sind sie bereit, die Gläubigen zu neuen Wegen der Evangelisation zu führen?
■ Zygmund Karel
(Präsident des Theologischen Seminars Breslau)


